Zahnfleischbehandlung

Information für Patienten

Aufbau eines Zahnes
Aufbau eines Zahnes

Zahnfleischentzündungen sind neben der Karies die häufigste Erkrankung in der Mundhöhle und Ursache für den Zahnverlust in der zweiten Lebenshälfte.

Das gesunde Zahnfleisch hat einen girlandenförmigen Verlauf. Der gesunde Zahn ist von einer Zahnfleischtasche von 2 - 3 mm umgeben.

Der Zahnhalteapparat (Parodont) ist das funktionelle Befestigungssystem jedes Zahnes. Er besteht aus verschiedenen Stützgeweben, die die Funktion haben, den Zahn im Knochen zu verankern und dabei die Belastungen auf diesen zu übertragen.

Zahnfleischerkrankungen haben oft mehrere Ursachen

  • mangelnde Mundhygiene
  • Engstand und Fehlstellungen der Zähne
  • kohlenhydratreiche Ernährung (Zucker/Stärke)
  • Rauchen
  • intensiver Alkoholgenuss
  • innere Erkrankungen, z. B. Diabetes, Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose

Eine initiale Diagnostik kann eine Fotodokumentation, die Erstellung diverser Indizes (z. B. Plaqueindex, API) und Röntgenaufnahmen beinhalten. Es wird ein Status von bis zu 14 Zahnfilmen angefertigt. Die Röntgendiagnostik gibt Auskunft über nicht vital reagierende und wurzelgefüllte Zähne, über Zustand, Form und Beschaffenheit von Zahnhartsubstanz, Alveolenknochen, Desmodontalspalt und Restaurationen.

Nach Erhebung eines Parodontalstatus kann eine zusätzliche spezielle Diagnostik notwendig sein. Heute gibt es im Bereich der Mikrobiologie und Immunologie durch verbesserte Nachweismethoden die Möglichkeit, die klinische Diagnostik zu ergänzen. Diese Verfahren konzentrieren sich auf den Nachweis mutmaßlicher parodontopathogener Bakterien.

Parodontalstatus
Parodontalstatus (Deutsche Gesellschaft für Parodontologie)

Vor Beginn einer Parodontalbehandlung ist eine Befunderhebung des Zahnhalteapparates (Parodontium) nötig. Da die radiologische Bewertung eher einen überprüfenden Charakter hat, sind die Sondierungswerte und die Beurteilung des Parodontiums sichere Parameter für die Diagnostik.

Die Zahnfleischtaschen werden gemessen, die Blutung wird beobachtet. Bei Code 3 und Code 4 wird eine Parodontalbehandlung notwendig.

Vorbehandlung
Vorbehandlung

Eine Parodontal-Behandlung richtet sich nach Erkrankungsschwere und -dauer.

Der erste Schritt: Die Vorbehandlung

Dient einerseits dem Ausschalten von Störfaktoren, die das Krankheitsbild auslösen oder begünstigen. Dazu gehört die Reinigung der Zähne von harten und weichen Belägen sowie die Beseitigung überstehender Füllungsränder. Begleitend erfolgt die Aufklärung über die individuelle Mundhygiene und ihre Einübung.

Die Parodontalbehandlung
Die Parodontalbehandlung

Der zweite Schritt: Die Parodontal-Behandlung

Dabei werden die Wurzeloberflächen von Bakterien und anhaftenden Belägen gereinigt und geglättet. Zur Unterstützung der Heilung können Lasertherapie, Spüllösungen oder die orale Gabe von Antibiotika eingesetzt werden. Falls der Knochenverlauf ungünstig ist oder die Zahnfleischtaschen sehr tief sind, ist ein chirurgisches Vorgehen erforderlich.

Der individuelle Befund gibt die Therapie vor.

Geschlossene Kürettage

Die geschlossene Kürettage ist die Standard-Therapie der Parodontitis, die ohne operativen Eingriff verläuft.

Sie beinhaltet die intensive Reinigung der Wurzeloberflächen von Bakterien und festen Belägen sowie das Glätten der Wurzeloberflächen unter Einsatz von Hand- und Ultraschallinstrumenten.

PerioScan (R) ist ein hochsensibles Ultraschallgerät, das die jeweils berührte Zahnoberfläche allein aufgrund der Reflexionswerte fundiert analysiert und Konkremente in der Zahnfleischtasche erkennt. Dieser Befund wird durch die Farbveränderung des Illuminators am Handstück signalisiert. So werden mehr Konkremente (tief unter dem Zahnfleisch liegender Zahnstein) erkannt und die Säuberung (laut Studien) nicht vorzeitig beendet.

Die Säuberung der Konkremente erfolgt ebenfalls mit dem PerioScan (R).

Geschlossene Kürettage Laser
Die Beseitigung der bakteriellen Ablagerungen kann auch mit Hilfe des Lasers erfolgen. Die Lasertherapie ermöglicht durch schnelle, zahnsubstanzschonende und schmerzarme Wirkung die selektive Säuberung der Wurzeloberflächen.
Die Aktivität des Lasers beschränkt sich ausschließlich auf die beschädigten Bereiche. Auf Grund dieser positiven Eigenschaften der Laserstrahlung ist es relativ gefahrlos möglich, den Laser selbst bei Patienten mit Blutungstendenz, Herzschrittmachern oder bei Schwangeren anzuwenden.

Offene Kürettage (Lappenoperation)

Im Seitenzahnbereich wird die offene Kürettage bei Furkationsbeteiligung eingesetzt. Dieser chirurgische Eingriff ermöglicht einen direkten Zugang und Sicht zu den parodontalen Schäden und somit die bessere und intensivere Reinigung der Wurzel- und Knochenoberflächen.

Vorsorge & Erhalt

Für einen möglichst lang anhaltenden Erfolg der Parodontalbehandlung sind sowohl eine regelmäßige Nachsorge mit professionellen Prophylaxemaßnahmen als auch eine systematische, konsequente und intensive häusliche Zahnpflege von ausschlaggebender Bedeutung.

Um eine möglichst lange Haltbarkeit der Zahnerhaltung zu gewährleisten, sollte der Patient zunächst alle 3 Monate, später alle 6 Monate eine regelmäßige Kontrolle und eine Professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt durchführen lassen.

Die Erhaltungstherapie bzw. Recall ist der wichtigste Teil der Parodontalbehandlung.

In den Recall-Sitzungen werden diagnostische (z.B. PerioScan) und therapeutische Maßnahmen sowie die Professionelle Zahnreinigung, Politur, Fluoridierung, die Reinigung unterhalb des Zahnfleisches und die Rezidivbehandlung durchgeführt.

Da Parodontitis eine chronische Erkrankung des Zahnhalteapparats ist, muss die individuelle Mundhygiene auf den Patienten abgestimmt und überdurchschnittlich intensiv, konsequent und zeitlebens betrieben werden.

Am wichtigsten ist aber die eigene systematische und regelmäßige häusliche Pflege.

Elektrische Zahnbürsten können oszillierend rotierend für gut trainierte Patienten oder schallaktiv für untrainierte Patienten sein.

Bei Parodontitis-Patienten ist der Interdentalraum in der Regel erweitert und daher besonders zu beachten und zu behandeln.

Für die möglichst langfristige Erhaltung des Behandlungsergebnisses ist die systematische, regelmäßige und intensive Säuberung des Zwischenraumes eine wichtige Voraussetzung. Dazu braucht der Parodontitis-Patient Hilfsmittel wie Zahnseide, Zahnhölzer, Flauschzahnseide und Interdentalbürstchen.

"Perioscan" ist ein eingetragenes Warenzeichen der Sirona Gruppe.